schalten mitzuspielen, alle anderen mußten sich damit begnügen, dann und wann auf ein Tor trainieren zu dürfen. Der Zutritt zu den offiziellen Veranstaltungen des Vereins in geschlossenen Räumen oder zum Klubstammtisch im Pschorr war ihnen in keiner Weise gestattet. Nach 1/2 jährigem Bestehen zählte die Jugendabteilung erst 8 Spieler. Ein wirklich ins Gewicht fallender Zuwachs war erst zu verzeichnen, als der F.C. Bayern auf den Platz an der Clemensstraße übergesiedelt war. Auf den damals noch weit ausgedehnten Wiesen hinter diesem Platz vergnügte sich die Schwabinger Jugend mit ihrem laufenden Saisonprogramm, das mit Schussern, Kreiseltreiben, „Drallem„ bezeichnet, begann und mit Indianerspiel oder „Räuber und Schandi“ endigte. Im Sommer 1901 nun wurde dieses Programm jäh über den Haufen geworfen. Die Ursache war das den Jungen bisher unbekannte Treiben seltsam und farbenbunt bekleideter junger Männer auf dem Platz an der Clemens-straße, die mit einem großen ledernen Balle geheimnisvollen Unfug trieben. Das war etwas ganz Neues und mußte natürlich sofort nachgemacht werden. Graswasen und eine alte Konservenbüchse mußten zuerst herhalten, bis ein aus Lumpen zusammengesetztes, ballähnliches Gebilde eine geeignetere Behandlung der meist barfüßigen Jungen zuließ. Als gar einer einen richtigen Gummiball der Schwester ausgeführt hatte,

bedeutete dies schon einen wesentlichen Fortschritt. Wirkliches Leben in diese immer zahlreicher werdende Schar kam aber erst, als Hermann Höchtl einen echten Faustball herbeischleppte. Dieser bildete nun Tag für Tag die Hauptattraktion der von der Jugend bevölkerten Wiese. Mit Ziegelsteinen wurden die Grenzen des Spielfeldes wie bei den Alten angedeutet, die ausgezogenen Kittel mußten die Tore bezeichnen. Allmählich hatte man durch besonders begabte Kundschafter auch den Zweck des Spieles erfaßt, wenn man auch manche Regel nicht ganz so gesetzmäßig anwendete. Tag für Tag erfreute sich die kleine Schar an diesem neuartigen Spiel.

Dieses Treiben war den führenden Männern des F.C. Bayern nicht unbemerkt geblieben, denn die Erkenntnis, daß die Zukunft eines Sportvereins in seiner Jugend liegt, war bei ihnen schon lange — in allerdings noch bescheidenem Maße — in die Tat umgesetzt worden. So erschien denn eines Tages bei diesem Miniatur-Wiesenfußballklub ein junger, hochaufgeschossenes• Bursche mit fescher Schleifenkrawatte und Strohhut und knüpfte die ersten Beziehungen mit der Wiesenkonkurrenz an. Er fand Gefallen an den kleinen „Talenten„ und diese auch an ihm, denn er konnte dank seiner größeren Stiefelnummer den Ball entsetzlich hoch schlagen. Pflicht des Chronisten ist es, den Namen dieses Unterhändlers der Nachwelt zu erhalten. Es war unser Hans Bermühler.

Er gab der kleinen Schar zu verstehen, daß er beim Fußballklub Bayern ein Wort einlegen werde, damit sie in der Jugendmannschaft aufgenommen würde. Sie könne dann mit einem wirklichen, ganz echten


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